Teil 2 von Rolfs Russland-Bericht
...noch ein paar Eindrücke und Erfahrungen zu guter Letzt und jetzt nachdem die Ankunft schon zwei Monate zurückliegt.
Sprache:
Einen Monat lernte ich intensiv Vokabeln, was sich täglich bemerkbar machte. Trotzdem hörte ich wieder damit auf und lernte fortan eher durch Zuhören. Es war auf jeden Fall eine gute Grundlage, mit der ich auf jeden Fall recht weit kam - "ausreichend gut" trifft es am ehesten. Soviel und so gut, dass ich mich jedem Tourist überlegen fühlen durfte - gleichzeitig keinen Russen täuschen konnte, was meine Herkunft betraf. Es gab aber Studenten im Programm, die die Sprache am Schluß nahezu perfekt beherrschten. Grundsätzlich wurde ich aber oft gelobt und die Russen schienen sich zu freuen, dass ich ihre Sprache lernen wollte. Sicher ist: je besser man die Sprache versteht, desto mehr verstrickt man sich in die Probleme, die Politik, das Leben des Landes, der Freunde und der Gastfamilie. Man fängt an, sie zu verstehen.
Klima:
Beherrschend war der lange kalte Winter. Fast sieben Monate lag Schnee. Und - ganz klar - je kälter, desto weniger Kontakte. Auf der anderen Seite gab es auch ganz neue Möglichkeiten, wie Skifahren und vor allem Schlittschuhlaufen, wo man viele Leute traf. Ansonsten ging ich in den Wintermonaten in verschiedene Sportvereine und traf mich vor allem in der Schule mit meinen Freunden.
Reisen:
Eine praktische Sache war es, dass ich auf der einen Seite mit der Schule verreisen konnte und auf der anderen Seite mit AFS. So kam es, dass ich viele interessante Städte sah. Außer Moskau besuchten wir noch Jaroslawel, Nischny Nowgorod und St.Petersburg sogar zweimal - die meiner Meinung nach schönste Stadt in Russland. Wobei bei allen AFS Reisen viel Zeit zur Verfügung stand, etwas auf eigene Faust zu unternehmen. Mit der Schule absolvierte man eben das typische Touristen-Programm. Über diese Reisemöglichkeiten war ich ziemlich froh, einerseits um mehr von Russland zu sehen, was angesichts der riesigen Distanzen nicht so leicht geht, wie bei uns und andrerseits, um "einfach mal rauszukommen" und Abstand zu gewinnen zu Familie und Problemen.
Politik:
...fand ich sehr interessant! Vor allem als dann das Bombardement auf Jugoslawien begann und Russland der Gegenspieler zu Westeuropa war und sich klar hinter die Serben stellte. Interessant deshalb, da ich den Krieg von zwei Seiten mitbekam. Einmal aus dem russischen Fernsehen und dann eben über deutsche Radioprogramme. Wobei in Russland der Krieg einen viel höheren Stellenwert hatte - sogar von einem dritten Weltkrieg geredet wurde. Es wurden auch die unterschwelligen Spannungen sichtbar, die immer noch gegenüber den USA bestehen - vor allem, weil sich Russland noch immer als Verlierer sieht. Auch wenn es einige unangenehme Diskussionen gab, wurde meine Meinung akzeptiert, zumindest stillschweigend geduldet.
Leute:
Wie schon im ersten Bericht geschrieben, wurden wir immer freundlich behandelt. Man kam uns entgegen, sowohl in der Schule, als auch im restlichen Alltag. Wohl gab es einige Beschimpfungen, aber die sind an einer Hand abzuzählen. Normalerweise wurden wir eher interessiert ausgefragt und Hilfe wurde uns auch angeboten "Falls du Probleme kriegst!". Die Situation war oft so ,das wir fast zuviel umsorgt wurden, was in den großen Städten nie passieren würde.
Familie:
Mit der Familie kam ich, bis auf den 16jährigen Sohn, die ganze Zeit über super aus. Mit dem Sohn hatte ich so meine Probleme und er wohl umgekehrt mit mir. Auch wenn es zwischendurch manchmal ziemlich hart war mit ihm, und sein Verhalten wirklich unmöglich war, sprach ich mich gegen einen Familienwechsel aus und habe es auch nicht bereut. Die AFS-Betreuerin versuchte wirklich ihr Bestes, aber letztendlich muß man schon selber hinstehen und die Situation meistern. Die größte Hilfe waren gute Freunde, dann das "aus dem Weg gehen" und bewußtes Ignorieren. Wie ich mir schon am Anfang dachte, ist es wohl keine gute Idee mit dem Gastbruder in die gleiche Klasse zu gehen. Auf der anderen Seite hat es bei meinem brasilianischen Kameraden ganz gut geklappt.
AFS:
Es gab ein Language Camp, das recht lustig und hilfreich war. Des weiteren trafen wir AFSer aus dem Kreis Kirov uns nur bei den Reisen nach Moskau etc..Was mir aber nicht viel ausmachte, da unsere AFS-Gruppe keinen festen Zusammenhalt hatte. AFS half Thiago und mir in Tschipetsk immer sofort -allerdings war die Organisation öfters ein bißchen chaotisch und kurzfristig, was Russland entspricht und weiter nicht schlimm war.- Allgemein bin ich mit AFS Russland zufrieden und hoffe, dass AFS Russland nicht aus Geldmangel aufhören muß.
Ein wirklich toller Abschluß von dem Jahr, war die dreitägige gemeinsame Abschlußfahrt aller AFSer die Wolga hinauf nach Moskau. Man hatte nochmal bzw. das erstemal die Möglichkeit, Erfahrungen und Erlebnisse, nicht zuletzt auch Adressen auszutauschen. Nach diesen drei Tagen, in denen man sich schon langsam umstellen konnte - flogen wir drei Deutschen dann als erste Gruppe in Richtung Heimat.
Fazit:
Ein tolles Jahr!!! Ein tolles Jahr???
Ein tolles Jahr !!!
Rolfs
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Letzte Änderung: 23. Februar 2009