Was ist der AFS |
Geschichte des AFS
Vom Sanitätsdienst zum Schüleraustausch

Was bewog eine Gruppe amerikanischer Sanitätsfahrer, Austauschprogramme zu organisieren?
Die Gründe dafür gehen zurück bis ins 19. Jahrhundert: Bereits im Preußisch-Französischen Krieg von 1870/71 organisierte ein amerikanischer Arzt in Paris Ambulanzzelte, in denen amerikanische Freiwillige die Verwundeten versorgten. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, fühlten sich zahlreiche Amerikaner dieser Tradition weiter verpflichtet: Eine Schule in Neuilly wurde in ein Lazarett mit 600 Betten umfunktioniert, das von in Paris lebenden Amerikanern betreut wurde. Viele der freiwillig arbeitenden Ärzte und Krankenpfleger waren Studenten und Professoren amerikanischer Eliteuniversitäten.
Um die Verwundeten von den Schlachtfeldern in das Lazarett zu bringen, setzte das Krankenhaus motorisierte Sanitätswagen ein. Ab 1916 übernahm der AFS diese Aufgabe. Er unterhielt eine eigene Zentrale in Paris. Seine Aufgabe bestand im Rücktransport der Verwundeten von der Front, oft unter abenteuerlichen Umständen. Während des Ersten Weltkrieges steuerten 2.500 Freiwillige die 1.220 AFS-Sanitätswagen. Bereits zwischen den Weltkriegen organisierte AFS Austauschprogramme für Studenten zwischen amerikanischen und französischen Universitäten.
Der Zweite Weltkrieg brachte den American Field Service zurück zum Sanitätsdienst: bis 1940 wieder in Frankreich, dann im Mittleren Osten, in Nordafrika, Indien, Burma, Italien und 1945 auch in Deutschland; nach der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen leisteten 70 Sanitätsfahrer dort humanitären Einsatz. Der AFS war Einheiten der Französischen, später auch der Britischen Armee angeschlossen. So arbeiteten die freiwilligen Sanitätsfahrer aus den USA mit Menschen aus Neuseeland, Australien, Südafrika, Griechenland, Polen, England, Schottland, Kanada und anderen Ländern zusammen. Mehr als 1,5 Millionen Verwundete konnten während der beiden Weltkriege durch den AFS versorgt werden
Nach dem Krieg wurde die Idee des Austausches fortgesetzt und brachte bereits 1947 wieder 51 Studenten und Schüler aus England, Frankreich, Griechenland, Ungarn, den Niederlanden, der Tschechoslowakei, Neuseeland, Norwegen und Syrien in die USA. 1948 fuhren die ersten beiden deutschen Studenten mit AFS in die USA. Gleichzeitig entwickelten amerikanische Privatschulen Interesse an der Aufnahme europäischer Schüler. So fällten die aus dem Krieg zurückgekehrten Sanitätsfahrer 1947 die Entscheidung, künftig auch Schülerprogramme zu organisieren. Seit 1950 leben deutsche Austauschschüler in amerikanischen Gastfamilien.
1952 stellte der AFS seine Universitätsprogramme ein und konzentrierte sich von nun an auf den Schüleraustausch, dessen Kosten für die deutschen Schüler mehrere Jahre vom amerikanischen State Department und danach auch durch lokale amerikanische Initiativen getragen wurden. Zusätzlich nahmen Schulen und Gasteltern die Schüler unentgeltlich auf. Die freiwillige Arbeit der Sanitätsfahrer setzte sich in dem Einsatz zahlloser ehrenamtlicher Mitarbeiter fort. Die Entscheidung des AFS zugunsten der Schülerprogramme fiel aus der Überzeugung, daß 16- bis 18jährige Schüler durch eine interkulturelle Erfahrung weit mehr geprägt werden als ältere Universitätsstudenten. Nach der schrecklichen Erfahrung des Krieges hofften die Sanitätsfahrer, daß jene Freundschaften, die durch den internationalen Austausch geschlossen würden, über die Grenzen hinweg dem Frieden den Weg ebnen würden. Noch heute setzt AFS sich für diese Idee ein.
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Letzte Änderung: 14. Juni 2007